Interessante Sichtweise

Auf die Ankündigung unseres Treffens im Mai habe ich eine interessante E-Mail von Herrn Rost (Büro für postfossile Regionalentwicklung) erhalten. Er hat vorgeschlagen, das Thema unseres nächsten Treffens auch aus der Sicht der Energieversorgung zu sehen.

Ich stelle im folgenden, mit Erlaubnis von Herrn Rost, die E-Mail zur Diskussion:

Hallo Ortsbei- und Stadträte.

Auf SPIEGEL ONLINE ist heute zu lesen, dass Gazprom von der Ukraine nun über 8 Milliarden Euro Nachzahlung für Gaslieferungen in der Vergangenheit zahlen soll:

Kürzlich regte der neue ukrainische Präsident an, die EU möge doch Gas in die Ukraine liefern. Doch wie ich schon bei der Anhörung zum Energiekonzept im Stadtrat sagte und zeigte, schrumpft die Gasförderung Europas seit 2004.  Europa fördert nur noch 55% seines Gasverbrauchs selbst, Deutschland weniger als 20%. Der Rest wird importiert. Woher? Aus Russland. Europäische Gaslieferungen in die Ukraine sind also Unsinn. Das Gas käme aus Russland. Eben auf Umwegen über die europäischen Pipelines und durch die europäischen Kassen.

Da dieses Vorgehen offensichtlich dazu führt, dass die EU sich zwischen einer Dauersubventionierung der Ukraine und einer Abkehr der Ukraine in Richtung Russland entscheiden muss, schwingt sich der Konflikt weiter auf: Russland warnt davor, der Ukraine russisches Gas zu europäischen Konditionen zu liefern, Merkel droht mit weiteren Sanktionen. Gleichzeitig importiert die EU offenbar sehr viel schneller Gas als in den vergangenen Jahren. Zu vermuten ist: Es wird eingelagert. Für den Fall einer akuten Krise.

Man könnte sagen: Unsere Politik denkt vor, wir in Dresden müssen uns um nichts kümmern. Da hab ich schlechte Nachrichten: Das Gasfördermaximum Europas wurde 2004 überschritten. Wer hat davon gehört? Seitdem sind 10 Jahre vergangen. 2010 kam die Bundeswehrstudie zu Peak Oil heraus, die genau solche Konflikte vorhersagt, wie wir ihn jetzt erleben. Das ganze läuft unter dem Begriff „political peaking“: Politisch motiviertes Drehen am Versorgungshahn durch jene, die Zugriff auf Öl und Gas haben. Wer hat von dieser Studie gehört oder größere öffentliche Diskussionen wahrgenommen? Wenn in den vergangenen Jahren nichts zu hören war, dann deswegen, weil die Politik das alles verschläft und sich lieber um Herdprämien statt darum kümmert, wie der Herd warm bleibt. Der jetzige Gasimport sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass mit größeren Gasspeichermengen zwar akute Krisen überbrückt werden können, nicht aber länger andauernde Konflikte. Dazu braucht es Weitblick, den ich seit Jahren vermisse.

Im Umweltausschuss am 10. März lehnte Dr. Korndörfer eine Diskussion um mögliche Auswirkungen einer potentiellen Gasversorgungskrise auf Dresden ab. Angeblich mit dem Hinweis darauf, dass sich die große Politik schon kümmern werde.

Ich möchte die Stadträte ermutigen, dieses Thema in der Verwaltung und im Rat auf die Tagesordnung zu kriegen. Die Abhängigkeit unseres Stadtlebens vom Importgas zu groß, als dass wir dieses Thema irgendwelchen Leuten in Berlin oder Brüssel allein überlassen können. Es braucht eine Diskussion: Wie funktioniert unsere Stadt, wenn Putin den Gashahn wirklich abdreht? Und wie funktioniert sie, wenn der Ölhahn noch dazukommt? Denn nicht nur Heizen und Kochen und Strom hängen in Dresden an Putins Gnaden, sondern auch PKW und Lieferverkehr.

Ich möchte in dem Zusammenhang an meine Überlegungen zum Thema „Dresden muss robust werden“ erinnern. Und möchte hinweisen auf ein Wochenende, bei dem Resilienz-Fragen in Dresden diskutiert werden. Aus meiner Sicht muss das Energiekonzept beschleunigt umgesetzt und möglicherweise um Krisenszenarien ergänzt werden. Was nützt uns ein Plan für 2025, wenn der nächste Winter kalt wird?

Besorgte Grüße

Norbert Rost

 

 

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